Nahost

Liveticker Iran-Krieg – Teheran fordert Bewohner Nordisraels zur Evakuierung auf

Der Nahostkonflikt hat eine neue Stufe der Eskalation erreicht, seit die USA und Israel einen Angriffskrieg gegen Iran begonnen haben. Iran reagiert auf die Angriffe mit Raketenangriffen auf US-Militärbasen in der Region und auf Israel. Wir berichten über die aktuellen Entwicklungen.
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  • 1.06.2026 19:26 Uhr

    19:26 Uhr

    Teheran fordert Bewohner Nordisraels zur Evakuierung auf 

    Nachdem das israelische Militär mit massiven Angriffen auf die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut gedroht und deren Einwohner zur Flucht aufgerufen hat, hat Teheran eine ähnliche Warnung für den Norden Israels herausgegeben. 

    In einer Erklärung des Zentralen Hauptquartiers von Khatam al-Anbiya (KCHQ), also des operativen Hauptquartiers der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran, heißt es dazu:

    "Angesichts der wiederholten Verletzungen des Waffenstillstands durch das [israelische] Regime warnen wir die Bewohner der nördlichen Gebiete und der militärischen Siedlungen in den besetzten Gebieten: Sollte diese Bedrohung umgesetzt werden, sollten sie die Region verlassen, wenn sie nicht zu Schaden kommen wollen."

    In offiziellen iranischen Verlautbarungen werden "besetzte Gebiete" als synonym für israel verwendet. 

    Zuvor hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu neue Angriffe auf Ziele der Hisbollah in den als Dahija bekannten Vororten Beiruts angekündigt. Seit dem Vormittag flohen Berichten zufolge Tausende  Anwohner aus dem Gebiet. Viele Gebäude dort wurden bereits von Israel zerstört.

    Aufgrund der israelischen Militäroperationen im Libanon hatte Teheran am Montag die indirekten Gespräche mit den USA ausgesetzt, wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete.

    Dem Bericht zufolge soll es erst ‌dann wieder Gespräche zur Beendigung des seit drei Monaten andauernden Iran-Kriegs geben, wenn die Forderungen Teherans erfüllt seien. Dazu gehören ein sofortiges Ende der israelischen Militäreinsätze im Gazastreifen und im Libanon sowie der vollständige Abzug Israels aus den besetzten ​Gebieten im Libanon. 

    Der iranische Außenminister Abbas Araghchi schrieb dazu auf X: "Ein Bruch ⁠des Waffenstillstands ⁠an einer Front ist ein Bruch an allen Fronten." Die USA und Israel seien für die Folgen verantwortlich, erklärte er mit Blick auf die israelischen ‌Einsätze im Libanon.

    Die USA und Israel hatten Iran am 28. Februar militärisch überfallen. Unter pakistanischer Vermittlung wurde am 8. April ein Waffenstillstand vereinbart. Teheran hatte zur Bedingung gemacht, dass die Feuerpause auch Israels Militäreinsätze gegen den Libanon umfasst.

    Israel hat jedoch seinen Krieg gegen den nördlichen Nachbarn fortgesetzt und inzwischen Teile des Landes annektiert. Offiziell richtet sich Israels Krieg gegen die Hisbollah, die mit Iran verbündet ist. 

    Israels Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir erklärte, dass die israelische Armee in den vergangenen Wochen zwar Hunderte Hisbollah-Mitglieder getötet habe, dies aber nicht ausreiche. Die südlichen Vororte Beiruts müssten "dem Erdboden gleichgemacht" werden, verlangte er von Ministerpräsident Netanjahu. 

  • 15:32 Uhr

    Araghtschi: Waffenstillstand nur in Verbindung mit Ende der Angriffe Israels auf Libanon

    Irans Außenminister Abbas Araghtschi definierte im Rahmen einer X-Mitteilung erneut die Vorgaben Teherans zum Thema eines Waffenstillstandsabkommens mit Washington.

    So heißt es in dem Beitrag in Verbindung mit einer Warnung an das politische Jerusalem gerichtet:

    "Der Waffenstillstand zwischen Iran und den USA ist eindeutig ein Waffenstillstand an allen Fronten, einschließlich im Libanon.

    Ein Verstoß an einer Front gilt als Verstoß gegen den Waffenstillstand an allen Fronten.

    Die USA und Israel tragen die Verantwortung für die Folgen eines jeden Verstoßes."

  • 14:56 Uhr

    "Gott, hab Erbarmen!" – Deutsche Evangelikale bitten in Knesset um Vergebung

    Ende Mai 2026 fand im israelischen Parlament im Rahmen des zehnten "Jerusalem Prayer Breakfast" eine viel beachtete Versammlung statt. Vor Vertretern der israelischen Regierung und Opposition äußerten evangelikale Christen aus 38 Ländern öffentlich ihr Bedauern über die Haltung ihrer Heimatnationen.

    In Redebeiträgen und Gebeten erklärten sie, dass die internationale Solidarität mit Israel nach den jüngsten Konflikten in der Region unzureichend gewesen sei.

    Auch deutsche Delegierte legten dabei stellvertretend ein Schuldbekenntnis ab. Sie kritisierten unter Tränen das gebrochene Versprechen des "Nie wieder" im eigenen Land und riefen zu einer politischen und gesellschaftlichen Kehrtwende sowie zu einer wahrheitsgetreueren Berichterstattung in den westlichen Medien auf.

  • 14:22 Uhr

    SPD-Bundesentwicklungsministerin bricht Libanon-Besuch vor Landung ab

    SPD-Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan hat ihre geplante Reise in den Libanon "wegen der eskalierenden Sicherheitslage" kurzfristig abbrechen müssen, so Informationen der Welt-Zeitung. Das Flugzeug der Ministerin kehrte demnach auf dem Weg nach Beirut wieder um, nachdem es am Morgen in Berlin zu der zweitägigen Reise in die Kriegsregion gestartet war (siehe Ticker-Meldung von 09:32 Uhr).

    Der Flug wurde laut Information einer Politico-Mitarbeiterin wegen einer "militärischen Entscheidung aufgrund der dramatischen Zuspitzung der Lage in Beirut" abgebrochen, so ihre Darlegung auf X.

    Geplant war unter anderem ein Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun sowie der Besuch von Flüchtlingslagern. 

  • 13:47 Uhr

    New Yorks Bürgermeister boykottierte alljährliche "Israel-Tag-Parade" 

    Die Führung der Demokratischen Partei von New York organisierte und veranstaltete am gestrigen Sonntag die alljährliche "Israel Day"-Parade der Stadt.

    Laut US-Medien verweigerte jedoch der amtierende Bürgermeister Zohran Mamdani die Teilnahme und blieb der Veranstaltung fern, bei der im Rahmen der jährlichen Parade, die offiziell "Israel Day on Fifth" heißt, jüdische und proisraelische Gruppen und Organisationen die Fifth Avenue in Manhattan entlanglaufen.

    Medien zufolge ist es das erste Mal seit der Einführung der Parade im Jahr 1964, dass ein amtierender Bürgermeister nicht teilnimmt. Mamdami ist ein US-amerikanischer Politiker (Demokraten) und seit 2026 der 111. Bürgermeister von New York City. Er hat ugandisch-indischen Familienhintergrund und erklärte zu seiner Entscheidung bereits in der Vorwoche vor Journalisten:

    "Ich habe bereits im Wahlkampf gesagt, dass ich nicht an der Parade teilnehmen werde. Und ich habe meine Ansichten über die israelische Regierung sehr deutlich gemacht."  

    Mamdani, selbst muslimischen Glaubens, gilt laut US-Medien als einer der prominentesten propalästinensischen Politikern in den USA. Der israelische Uno-Botschafter, Danny Danon, erklärte in New York, dass Mamdami "zehntausenden Juden sowie Unterstützern Israels den Rücken zugekehrt" habe.

    Laut den Veranstaltern nahmen 50.000 Menschen an dem Umzug teil. Der Stadtteil Manhattan (New York County) hat dabei rund 1,69 Millionen, Gesamt-New York City laut Schätzungen zufolge im Jahr 2023 rund 8,26 Millionen Einwohner. 

  • 12:56 Uhr

    Israel-Kritik: Britisches Innenministerium verweigert US-Journalisten die Einreise

    Cenk Uygur, ein türkischstämmiger US-amerikanischer Journalist und Gründer des linksliberalen YouTube-Formats "The Young Turks", informiert auf X darüber, dass ihm die Einreise nach Großbritannien verweigert wird, dies laut seiner Aussage, wegen unmissverständlicher Israel-Kritik. So schreibt Uygur in seinem Beitrag:

    "Mir wurde die Einreise nach Großbritannien verweigert. Ich habe versucht, einen Flug nach London zu nehmen, um am SXSW[-Kongress] London teilzunehmen und einen Vortrag in Oxford zu halten. Mir wurde die Einreise verweigert, weil ich Israel kritisiert habe. Sind wir überhaupt noch frei? Das ist Unterdrückung westlicher Bürger durch unsere eigenen Regierungen im Auftrag eines anderen Landes!"

    Das politische Info-Format The Young Turks hat auf YouTube rund sechs Millionen Abonnenten. Der Journalist kandidierte erfolglos 2023/2024 für die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei. 

    Das Einreiseverbot erfolge seitens der britischen Innenministerin aus zwei Schwerpunktgründen, so die Times berichtend (Bezahlschranke):

    "Shabana Mahmood hat einem radikalen Linken die Einreise untersagt, da sie befürchtet, dass er Antisemitismus schüren könnte, und weil er die Existenz von Grooming-Banden leugnet."

    Erstgenannter Grund bezieht sich auf Uygurs konfrontative kritische Israel-Kommentare, die bis zum Vorwurf des durch die Netanjahu-Regierung forcierten Genozids im Gazastreifen reichen. Zum zweiten Vorwurf heißt es im Times-Artikel:

    "Die Entscheidung, Uygur die Einreise nach Großbritannien zu verweigern, beruhte auch auf einem Austausch mit [dem Journalisten] Piers Morgan auf dessen YouTube-Kanal, in dem er Beweise für sogenannte 'Grooming-Banden' in Städten wie Rotherham zurückwies – wo offizielle Untersuchungen schätzungsweise 1.400 Opfer identifiziert haben – und die Besorgnis über dieses Thema als 'islamfeindlich' bezeichnete."

    Uygur sollte auf dem Kongress in London über amerikanische Politik und den Konflikt im Nahen Osten sprechen.

  • 11:58 Uhr

    Trump kritisiert politische Wahrnehmungen in den USA

    Seit Wochen kommt es im Rahmen stockender Hintergrundgespräche zwischen Washington und Teheran nicht zu wegweisenden Lösungsergebnissen im US-provozierten Kriegskonflikt.

    US-Präsident Donald Trump äußert nun auf Truth Social seinen Unmut, bezogen auf die Kritik seitens politischer Weggefährten in seiner Partei sowie der Demokraten zum Status quo und Verlauf des Iran-Kriegs.

    So behauptet er in dem Beitrag:

    "Iran will wirklich ein Abkommen schließen, und es wird ein gutes Abkommen für die USA und diejenigen sein, die auf unserer Seite stehen. Aber verstehen die Dumokraten und verschiedene, scheinbar unpatriotische Republikaner denn nicht, dass es für mich VIEL schwieriger ist, meine Arbeit ordnungsgemäß zu erledigen und zu verhandeln, wenn politische Schreiberlinge immer wieder in einem noch nie dagewesenen Ausmaß negativ 'zwitschern', ich solle schneller vorgehen oder langsamer vorgehen oder in den Krieg ziehen oder nicht in den Krieg ziehen oder was auch immer."

    Kritiker, wie Unterstützer, sollten sich daher "zurücklehnen und entspannen", da in der Wahrnehmung des US-Präsidenten vermeintlich "am Ende alles gut wird – so ist es immer!", so Trump auf Truth Social.  

  • 10:46 Uhr

    Teheran: Brüssel präsentiert "Paradebeispiel für selektive moralische Empörung"

    Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai, hat die Europäische Union scharf dafür kritisiert, nachdem diese am Ende der Vorwoche Teherans Vergeltungsschläge gegen US-Militäranlagen in einer Mitteilung unmissverständlich verurteilt hatte.

    So lautet der X-Beitrag von Baghai:

    "Die Erklärung der EU, in der sie Iran dafür verantwortlich macht, sein Recht auf Selbstverteidigung gegen US-Aggressionen auszuüben, die von Stützpunkten in Nachbarländern aus gestartet wurden, ist ein Paradebeispiel für selektive moralische Empörung; sie ist heuchlerisch und rücksichtslos." 

    Brüssel, in diesem Fall der "Europäische Auswärtige Dienst (EEAS)", müsse demgegenüber laut Wahrnehmung Teherans "der Rechtsstaatlichkeit und den Grundsätzen der UN-Charta treu bleiben, zu deren Wahrung es sich seit langem bekennt". Die EU-Behörde müsse "aufhören, Aggressoren zu beschwichtigen und gleichzeitig diejenigen zu verurteilen, die auf rechtswidrige Angriffe reagieren".

    In der EEAS-Mitteilung hieß es am 29. Mai, vor den erneuten Ereignissen am Sonntag und zu Wochenbeginn:

    "Die EU verurteilt aufs Schärfste den jüngsten Angriff Irans auf den Staat Kuwait, der einen Verstoß gegen dessen Souveränität im Sinne des Völkerrechts darstellt, und bekräftigt ihre uneingeschränkte Solidarität mit der Regierung und der Bevölkerung Kuwaits. Solche Angriffe stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit und Stabilität in der Region dar."

    Die jüngsten militärischen Reaktionen der iranischen Armee "auf jene US-Stützpunkte und -Einrichtungen, die für rechtswidrige Angriffe gegen Iran genutzt werden", würden laut Teheran eine "rechtmäßige Ausübung des Selbstverteidigungsrechts" darstellen.

    Entsprechenden Staaten seien rechtlich international verpflichtet, "nicht zuzulassen, dass ihr Hoheitsgebiet oder ihre Einrichtungen für Angriffe auf andere Länder genutzt werden".

  • 10:04 Uhr

    US-Armeebehörde bestätigt Angriff auf iranische Radar- und Kontrollstation

    Das US-Zentralkommando CENTCOM informiert via X-Beitrag über einen Luftangriff am Wochenende auf iranisches Staatsgebiet. So heißt es in der Meldung:

    "Das US-Zentralkommando (CENTCOM) hat am letzten Wochenende Selbstverteidigungsschläge gegen iranische Radar- sowie Kommando- und Kontrollstationen für Drohnen in Geruk (Iran) und auf der Insel Qeschm durchgeführt."

    Qeschm ist dabei die größte Insel in der Straße von Hormus, gelegen am Ostende des Persischen Golfes und zu Iran gehörend.

    Die "wohlüberlegten und gezielten Schläge" wären laut CENTCOM-Mitteilung am vergangenen Samstag und Sonntag als Reaktion "auf aggressive iranische Aktionen" angeordnet worden, zu denen demnach auch "der Abschuss einer US-amerikanischen MQ-1-Drohne gehörte", die laut US-Armeeangaben "über internationalen Gewässern" eingesetzt wurde.

  • 09:32 Uhr

    Berlin: Entwicklungsministerin Radovan reist in den Libanon – Außenminister Wadephul kritisiert Jerusalem

    Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) will laut Mitteilung ihrer Behörde in den Libanon reisen, um sich demnach "vor Ort ein Bild der Lage zu machen", so das SPD-nahe RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtend. So sei Radovan am Montagmorgen zu einem zweitägigen Besuch aus Berlin abgereist.

    Laut RND-Mitteilung stehe "auf dem Programm unter anderem ein Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und der Besuch von Flüchtlingslagern". 

    "Deutschland steht an der Seite der Menschen im Libanon", erklärte die Ministerin demnach vor dem Abflug. Sie forderte "einen verlässlichen Waffenstillstand und ein Ende des Kriegs". In einer weiteren RND-Mitteilung heißt es:

    "Außenminister Johann Wadephul ruft Israel und die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon dringend auf, zur vereinbarten Waffenruhe zurückzukehren … Israel müsse bei seinem Vorgehen gegen die Hisbollah Zivilisten und zivile Infrastruktur schützen."

    Wadephul erklärte weiter am Sonntag vor Journalisten am Rande seines Besuches bei den Vereinten Nationen (UN) in New York:

    "Jede weitere Eskalation verschärft die ohnehin schon angespannte Lage zusätzlich und sorgt für neue Fluchtbewegungen innerhalb Libanons."

    "Natürlich hat Israel legitime Sicherheitsinteressen", so der Außenminister. "Wenn Zivilistinnen und Zivilisten aber den Preis einer militärischen Eskalation zahlten und Teile des Libanon dauerhaft unbewohnbar würden, mache das Israels Nachbarschaft langfristig nicht sicherer", so das RND Wadephul zitierend. 

    Die Gespräche Israels und Libanons in Washington seien "der richtige Kanal, um Erfolge zu erzielen". Die Hisbollah dürfe laut Wadephul jedoch "diesen Friedensprozess nicht weiter torpedieren".

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